Von Pascal Kunkel, Fraktionsvorsitzender der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen in der Gemeindevertretung Biebergemünd

Wenn wir als Grüne auf diesen Haushalt blicken, sehen wir mehr als kühle Zahlenkolonnen: Wir sehen Prioritäten. Und wir sehen leider auch, wie diese massiv aus dem Ruder laufen.
Klimaschutz: Daseinsvorsorge statt Dauerbremse
Beginnen wir beim Klimaschutz. Unser Beschluss vom März 2025, das Klimaschutzkonzept nur unter Vorbehalt der „verfügbaren Haushaltsmittel“ umzusetzen, war nicht der erhoffte Startschuss … es war eine Dauerbremse.
Wir haben uns damit eine Hintertür offen gelassen, so groß wie das Tor einer Sporthalle. Und genau durch dieses Tor schleicht sich der Klimaschutz klammheimlich davon: Denn für einen 300.000-Euro-Lagerraum bei „Pura Vida“ ist das Geld da, aber beim Schutz unserer Bürger vor Klimafolgen geht uns die Luft aus.
Wir fordern heute klipp und klar: Die vakante Stelle des Klimaschutzmanagers muss umgehend wieder besetzt werden! Nur mit Fachpersonal können wir Klimaschutz endlich bodenständig angehen. Hier geht es nicht um ferne Theorie, sondern um den Schutz vor Ort: Starkregenereignisse machen keinen Umweg um Biebergemünd. Echter Klimaschutz im Haushalt bedeutet Schutz vor Hochwasser und Sturzfluten. Das ist kein „optionales“ Projekt, das ist kommunale Daseinsvorsorge!
Wenn wir zur Gemeinde der glänzenden Sporthalle werden, während uns bei Starkregen das Wasser in die Keller läuft und die Gemeinschaftshäuser in den Ortsteilen bröseln, dann haben wir unsere Hausaufgaben schlichtweg nicht gemacht.
Soziale Verantwortung: Waldkita-Erfolg vs. Sparkurs bei
Senioren
Es gibt auch Lichtblicke: Dass engagierte Bürgerinnen und Bürger mit viel Eigeninitiative 2026 die Waldkita „Wurzelwerk“ in Roßbach an den Start bringen, oder auch die neugestaltung des Spielplatzes in Lanzingen ist eine riesige Aufwertung für unsere Gemeinde. Diese Konzepte zeigen: Wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, schaffen wir echte Lebensqualität für junge Familien.
Die Kehrseite dieser Medaille ist allerdings erschreckend. Während wir bei Großprojekten jeden Cent freigeben, wird beim Seniorenzentrum Biebergemünd-Kassel radikal gekürzt. Waren es im Vorjahr noch 105.000 Euro an Zuschüssen, stehen für 2026 dort: Null Euro.
Unsere Fraktion hat sich als einzige geschlossen gegen diesen Kahlschlag gestellt. Es ist beschämend, dass der Rotstift
ausgerechnet bei der sozialen Fürsorge für unsere Ältesten angesetzt wird, während Bauprojekte nach dem Motto „koste es, was es wolle“ durchgepeitscht werden. Diese soziale Schieflage können wir nicht akzeptieren!

Finanzielle Fehlsteuerungen: Belastungsgrenzen und
Einzelinteressen
Diese Schieflage setzt sich bei den Gebühren fort. Weil man in der Vergangenheit den Mut für moderate Anpassungen vermissen ließ, werden unsere Bürger nun von horrenden Korrekturen der Gebührenordnungen überrollt.
Heute stehen weitere Erhöhungen an: beispielsweise beim Schwimmbad. Hier soll der Eintritt von 3 auf 5 Euro springen, eine Steigerung von über 60 %! Im gleichen Zeitraum erhält ein einzelner Verein für eine neue Halle mehr als eine viertel Millionen Euro an Zuschüssen, nur weil wir stur an Förderzusagen festhalten, während die Baukosten explodieren. Verstehen Sie mich nicht falsch: Vereinssport ist wichtig. Aber wenn Millionen in Einzelinteressen fließen, während der Schwimmbadbesuch für Familien zum Luxus wird, dann stimmt unser sozialer Kompass nicht mehr.
Die Jugend & Breitenborn: Steine statt Köpfe
Auch das Jugendforum hat es deutlich gemacht: Unsere Jugendlichen brauchen Räume und Betreuung. Doch im Stellenplan suchen wir vergeblich nach Lösungen für die Jugendpflege. Das ist der Kernfehler dieses Haushalts: Wir
investieren massiv in Steine, aber viel zu wenig in Köpfe!
Der Mangel an Weitsicht zeigt sich auch bei meinem Dauerthema, dem DGH Breitenborn. Ich habe es schon oft in meiner Haushaltsreden erwähnt – und ich tue es wieder. Der dringend nötige Neubau wird erneut auf die lange Bank geschoben. Doch wir Grüne bleiben der Stachel im Fleisch: Wir lassen nicht locker und keinen Ortsteil im Regen stehen.
Fazit
Ich möchte nun langsam zum Schluss kommen: Wir werden diesem Haushalt heute zustimmen, um die Gemeinde handlungsfähig zu halten. Aber wir fordern für die Zukunft einen Kurswechsel: Wir können die Fehler der Vergangenheit nicht ungeschehen machen, aber wir können heute entscheiden, dass ab jetzt bei jeder
Investition das Gemeinwohl und die Zukunftsfähigkeit im Vordergrund stehen – und nicht das nächste Prestigeprojekt.
(Skript der Rede zum Haushalt von Pascal Kunkel in der Sitzung der Gemeindevertretung am 24. Februar 2026)


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